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Durchblick in luftiger Höhe

Fliegeruhren sind eng mit der Luftfahrt verbunden.
Diese Erkenntnis ist wohl wenig überraschend. Für Piloten haben die Uhren eine wichtige Funktion übernommen, da sie bei der zeitlichen und geografischen Orientierung geholfen haben. Um das Ablesen so schnell und einfach wie möglich zu gestalten, waren dabei besonders das schwarze Zifferblatt, große Leuchtziffern und -zeiger, Drücker und Knöpfe wichtig, die auch mit Handschuhen zu bedienen waren. Je mehr sich die Luftfahrt entwickelt hat, desto mehr verloren die Instrumente ihre Aufgaben. So wurde die Fliegeruhr im Zuge der 1950er-Jahre ein eigenständiges Thema. Die Funktionalität rückte in den Hintergrund und das Grunddesign trat hervor, das in weiterer Folge alle Sportuhren beeinflusst hat.
Wir haben drei Schlüsselmodelle für Sie. Achtung, danach werden Sie eventuell den Drang spüren, Ihre Sammlung zu erweitern.

Breitling Navitimer

1952 am Markt etabliert, ist die Breitling Navitimer eine große, markante Fliegeruhr mit Drehlünette und Chronograph. Bis heute wird sie in fast unveränderter Form produziert und ist Ausdruck für maskuline Sportlichkeit in der Aviatik. Wer ohne elektronische Hilfe Kilometer in Meilen umrechnen oder etwa den Spritverbrauch pro Stunde ermitteln möchte, der dreht an ihrer Lünette. Sie bedient eine Rechenschieberskalierung, mit der einfache Rechnungsfunktionen durchgeführt werden können.

Urkosmisch: Modische Stahl/Gelbgold-Version eines Cosmonaut-Modells aus den 1990er-Jahren. In diesesr Ausführung wird die Zeit in einem 24-Stunden-Intervall angezeigt. Ganz schön viele Ziffern.
Neuer Wein in alten Schläuchen: Eine letztgültige Version einer Navitimer aus 2015. Im Unterschied zu ihrem historischen Vorbild verfügt sie über ein automatisches Eigenkaliber, Datum und doppelt entspiegeltes Saphierglas. Funktionalität und Design entsprechen aber dem ursprünglichen Modell.
Ich möchte Raumfahrer werden: Extravagante Version eines Navitimers mit signalfarbigen Zeigern. Das frühe Automatikwerk Kaliber-12 der Firma "Heuer Buren Breitling" wird durch eine linksseitige Krone bedient. Diese 24-Stunden-Version wird eben auch "Cosmonaut" genannt. 

 

IWC Fliegeruhr

IWC interpretiert das Thema der Fliegeruhren unterschiedlich. Die heute moderne, große Fliegeruhr entstammt in ihrer Form dem Piloteninstrument der 1930er-Jahre. Mit einem extrem langen Lederriemen konnte sie über der Montur am Arm oder auch am Oberschenkel getragen werden. Heute ist sie in ihrer Größe zwar dem Armgelenk angepasst, dennoch wird sie als maximal große tragbare Uhr definiert.
Der zweite Zugang entspringt der kleineren und gebräuchlicheren Fliegeruhr der 1940er- und 1950er-Jahre. Damals als Mark X und Mark XI bezeichnet, wurde sie in den 1990er-Jahren als Mark XII wiederbelebt und bis heute – wir sind inzwischen bei der Mark XVIII angelangt – weiterentwickelt. Aus ihrer Modellgruppe heraus entwickelte sich auch der beliebte "Fliegerchronograph", der sich in den letzten fünfzehn Jahren in seiner Form und Größe nur leicht verändert hat.

Das große Schwarze: Letztgültige Ausführung der großen Fliegeruhr. Sie verfügt über ein Automatikwerk mit einer 8-Tage-Gangreservenanzeige, Datum und doppelt entspiegeltes Saphirglas. Dieses lässt das schwarze Blatt fast bläulich schimmern. Markant die große Zwiebelkrone, denn sie erlaubt eine Bedienung mit Handschuh.

Weiß ist das neue Schwarz: Sonderausführung einer "kleineren" Fliegeruhr. Hier in einer limitierten Ausführung mit einem untypischen, jedoch ebenfalls kontratsreichen, weißen Zifferblatt. Diese Seltenheiten sind heute bereits gesuchte Sammlerstücke.
Der Fliegerchronograph: Die Weiterentwicklung der Fliegeruhr in den 1990er-Jahren führte zu einem innovativen Chronographen. Für IWC eröffnete er eine neue Produktlinie. Abgebildet ist der erste seines Types aus dem genannten Jahrzehnt, dessen Gültigkeit bis heute unbestritten erscheint.

Rolex GMT-Master

1957 führte Rolex mit der GMT-Master erstmals eine unabhängige zweite Zeitzone in die Produktgruppe der Fliegeruhren ein. Der berühmte dislozierte zweite Stundenzeiger und die blau-rote Drehlünette bleiben markantes Markenzeichen dieser Uhr. Trotz aller Veränderungen im Laufe der Zeit bleibt die Grundfunktion einer zweiten Zeitzone uneingeschränkt erhalten. Mehr wollen wir an dieser Stelle aber nun doch nicht verraten, denn wir haben für die Zukunft schon einen Blogbeitrag ganz für die GMT-Master reserviert ...

Das zischt: Klassisches Modell einer Rolex GMT-Master II, auch "Pepsi" genannt. Nicht nur, weil sie so spritzig ist, sondern aufgrund ihrer rot-blauen Lünetten-Farbgebung.
Herumtigern: Rolex GMT-Master II 16713, welche in dieser Ausführung den Spitznamen "Tigerauge" hat.
Sehnsuchtserfüllerin: Diese Rolex GMT-Master II 126710BLRO mit Keramik-Lünette und Jubiléband ist derzeit das begehrteste Stück im Sportmodell-Segment.





Text entnommen und angepasst aus "Das Prinzip* Uhr" für den Blog der Chronothek.

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