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Die Kunst des Lapidierens

Heute wird es auf unserem Blog wieder ein wenig technisch.
Unsere Kollegen aus der Werkstatt gestatten uns einen kleinen Blick hinter die Kulissen. Lapidieren - was für einige vielleicht exotisch klingt, ist für unsere Techniker Teil ihres Werkstattalltags. Die Chronothek gehört zu den wenigen Handwerksbetrieben, die diese Leistung überhaupt noch anbieten und macht mit dieser Arbeit nicht nur Uhren rundherum glücklich. Wir verraten Ihnen, was es mit diesem Handwerk genau auf sich hat.

Makellose Uhren

Krempeln Sie Ihre Ärmel hoch, denn heute wollen wir gemeinsam lapidieren. Was genau steckt aber hinter dem Begriff? Lapidieren meint das Schleifen gerader Flächen oder genauer gesagt: Zwei drehende Teile in der Maschine erzeugen am Ende eine makellose Ebene auf der Uhr. Durch das Schleifen und Polieren der Uhrenbestandteile wird so die Wertigkeit der Stücke erhalten.

Selten gewordenes Service

Die Technik des Lapidierens kam ursprünglich beim Facettenschleifen von Edelsteinen, wie etwa Diamanten, zum Einsatz. Hierbei wurden allerdings Maschinen verwendet, die lediglich auf das Schleifen kleiner Facetten ausgerichtet waren. Für größere Werkstücke, wie zum Beispiel Uhrengehäuse oder Lünetten, sind sie unbrauchbar. Doch die uhrenerzeugende Industrie wusste sich zu helfen und deswegen gibt es auch entsprechend große Lapidiergeräte für unterschiedliche Gehäuseformen. Warum nicht jede Uhrenwerkstatt Lapidieren anbieten kann, ist schnell erklärt: Die Maschinen, die man dafür benötigt, sind groß und kostspielig. So können gerade kleine Uhrmacher und Restaurationsbetriebe dieses Gehäuseservice nicht anbieten.

Meisterstück des Schleifens: Ausschnitt einer Lapidiermaschine 







Festgekrallt: Lünette befestigt an einem sich drehenden Teil der Lapidiermaschine vor dem Aufarbeiten 







Die Technik dahinter

In Gehäusefabriken sowie in der Uhrenmanufaktur, wo auch Uhrengehäuse erzeugt werden, war der Lapideur lange Zeit ein Ausbildungsberuf. Dort werden Gehäuse gemeinsam mit Lünetten fein respektive plan geschliffen, wobei gleichzeitig das gewünschte Schliffbild realisiert werden kann. Je nach Drehwinkel und -geschwindigkeit entstehen sogenannte Sonnen- und Rundschliffe, matte oder auch glänzende Oberflächen. Um diese Schleiftätigkeit durchführen zu können, braucht es spezielle Maschinen, die das Gehäuse einerseits halten und es andrerseits in mehrere Achsen dreh- und schwenkbar an die sich ebenfalls drehenden Schleifteller heranführen. Würde ein Werkstück von nur einer sich drehenden Schleifscheibe geschliffen, so würde es verrunden. Paradox und faszinierend zugleich.

"Lapidieren ist die exakteste Methode, um Gehäuse und Lünetten wieder in den Neuzustand zurückzuversetzen, ohne das ursprüngliche Schliffbild zu verändern."


Vorher: Beschädigte Lünette einer Rolex Epxlorer II 16570. Es scheint fast unmöglich zu sein, die Verletzungen an dieser schwierigen Stelle zu reparieren, ohne das ursprüngliche Schliffbild zu verändern.
Nachher: Meisterkunst! Eine plane Fläche zu schleifen, mag leicht erscheinen. - Irrtum. - Jedes Schleifen verrundet Kanten und ebene Flächen. Dieses Problem trägt zum Wertverlust der Uhr bei und verändert unwiederbringlich den Originalzustand. Nur mit einer Lapidiermaschine gelingt diese Aufgabe fehlerlos.

Werterhaltung durch Lapidieren

Jetzt verstehen Sie besser, wieso es eine Besonderheit ist, dass wir uns in der Chronothek auf diese traditionelle Technik besonnen haben. Wir können durch das Lapidieren ein Handwerk anbieten, das Gehäuse und Lünetten wieder in den Neuzustand zurückversetzt, ohne dabei das ursprüngliche Schliffbild zu verändern. In weiterer Folge bedeutet das, dass durch diese Form der Gehäusewartung zum Werterhalt Ihrer Uhr beigetragen wird. Eine behutsame und bedeutende Maßnahme, die manchem Träger gar nich bewusst ist, denn ist ein Gehäuse oder eine Lünette erst einmal verrundet, ist der Originalzustand nicht mehr wieder herzustellen. Wir beraten Sie natürlich gerne, ob das Lapidieren bei Ihrer Uhr sinnvoll oder notwendig ist.
Die Chronothek Werkstätte ist von Montag bis Freitag in der Zeit von 11.30 bis 17.00 für Sie geöffnet.

Text entnommen und angepasst aus "Das Prinzip* Uhr" für den Blog der Chronothek.

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